Flüchtlinge auf der Bühne

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Flüchtlinge auf der Bühne

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Flüchtlinge auf der Bühne? Künstlerische Perspektivierung oder peinlicher Gefühlsmissbrauch?

Meine Frau und ich waren jetzt im Karlsruher Staatstheater. Der Gemeinderat, in dem ich seit 2004 Mitglied für die FDP bin, war vom Oberbürgermeister eingeladen. Ich bin auch Mitglied des Verwaltungsrats für das Badische Staatstheater.

Glucks Tragödie „Iphigenie auf Tauris“ war eine phantastische Aufführung und wurde auch mit Standing Ovations belohnt. Das Thema ist Flucht (von dem Schicksal, von Schuld, von sich selber und von der Heimat).

Die Tragödie, mit Inspiration aus griechischer und römischer Mythologie, hat 1797 die Uraufführung gehabt. Und musste selbstverständlich aktualisiert werden. Die Soldaten des Tyrannen töteten mit deutlichen Assoziationen zu Terror und Isis.

Ein besonderes Element ist eine Diskussion wert: Auf der Bühne waren auch 25 tatsächliche Flüchtlinge aus Flüchtlingszentren unseres Gebietes. 25 junge Flüchtlinge, die meisten schwarze junge Männer aus Eritrea. Sie waren nicht Statisten, weil sie als Rolle sich selbst spielten. Sie begleiteten die Vorstellung als Flüchtlingsgruppe.

Ist das künstlerische aktuelle Perspektivierung? Ist das realistischer Fokus auf die größte Herausforderung in Europa dieser Jahre: die Flüchtlingssituation?

Ist das gerade die Aufgabe der Kunst? Oder ist es peinlicher Gefühlsmissbrauch. Macht man die Flüchtlinge zu Theaterobjekten und uns zu neugierigen Voyeuren? Ein bisschen wie damals, als wir um 1700 in Dänemark Inuits nach Kopenhagen geholt haben, wo wir sie wie Tiere im Zoo ausgestellt haben?

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